Umfrage unter Chefärzten

Was Ärzte wollen und Kliniken bieten

  • Personal
  • Titel
  • 27.10.2022

f&w

Ausgabe 11/2022

Seite 984

In einer Blitzumfrage wollten f&w und die Personalberatung Rochus Mummert wissen: Was ist Geschäftsführern und Ärzten heute wichtig? Welche Rahmenbedingungen bieten und erwarten beide Seiten – und wie stimmen diese letztlich überein? Die wichtigsten und überraschendsten Ergebnisse.

Ärzte wollen führen

Mit medizinischer Kompetenz und Kommunikationsstärke rangieren zwei klassische Anforderungen der kaufmännischen Geschäftsführung an ihre Chefärzte ganz oben. Führungsqualitäten folgen immerhin an dritter Stelle. Ein überraschender Befund: Digital- und IT-Kompetenz spielen kaum eine Rolle – trotz der vielen aktuellen KHZG-Projekte. Auch unter den Ärzten ist die fachliche Kompetenz die wichtigste Eigenschaft. Dann weichen die Einschätzungen aber voneinander ab: Es folgen Leadership vor Kommunikation, dicht gefolgt von Belastbarkeit. „Chefärzte sehen sich selbst stärker in der Führung als in der Kommunikation – ein spannendes Selbstverständnis, das aber mit dem Wunsch nach Gestaltung und Entwicklung einer Klinik einhergeht“, so Oliver Heitz, Partner bei Rochus Mummert Healthcare.

Tandem ist gefragt

Rund ein Drittel der befragten Geschäftsführer kann sich prinzipiell die Führung einer Klinik im Co-Modell vorstellen. „Das ist ein unerwartet hoher Wert“, analysiert Heitz. „Manche Häuser praktizieren das eher aus der Not als aus Überzeugung – und in der Praxis zeigen sich leider noch zu oft mehr negative als positive Erfahrungen.“

 

Knackpunkt Vergütung

Bei der Vergütung klaffen Wunsch und Wirklichkeit auseinander. 40 Prozent der Ärzte wünschen sich ein ausschließliches Fixum ohne variable Gehaltsbestandteile, weitere 43 Prozent eine Variable in Höhe von bis zu 20 Prozent der fixen Vergütung. Die Geschäftsführungen hingegen bieten in der Regel höhere variable Anteile (48 Prozent eine Variable in Höhe von bis zu 20 Prozent der fixen Vergütung, 39 Prozent sogar bis zu 40 Prozent der fixen Vergütung ). „Die variable Bezahlung ist nach wie vor das gelebte Instrument – obwohl es ethisch-moralisch gern infrage gestellt wird und bei Chefärzten nicht beliebt ist“, so Heitz. „Die Diskrepanz kennen wir aus unserem Beratungsalltag. Die Höhe der variablen Vergütung führt immer wieder zu schwierigen Diskussionen und häufig sogar zum Scheitern von Verhandlungen.“

 

Gastroenterologen gesucht

Besonders in der Gastroenterologie ist die Besetzung von Chefarztpositionen besonders herausfordernd geworden. „Das sehen wir in unseren Verfahren ebenso“, bestätigt Heitz. „Die technische und personelle Ausstattung der Krankenhäuser ist sehr unterschiedlich, dazu sind die versierten Gastroenterologen mitunter sehr anspruchsvoll.“ Als weitere Fachgebiete nannten die Geschäftsführer unter anderem die Geriatrie, Anästhesie und Frauenheilkunde.

Mit 67 ist noch lange nicht Schluss

Nur rund ein Viertel der Befragten möchte nach der Berentung nicht mehr dem Beruf nachgehen. Eine Entwicklung, die auch Heitz kennt: „Diesen Trend sehen wir verstärkt seit rund sieben Jahren. Deshalb sprechen wir auch Personen über 65 Jahren weiterhin gezielt an.“

Mobile Mediziner

Die befragten Mediziner zeigen alle eine hohe Mobilitätsbereitschaft. Ein Umzug mit der Familie oder ein zweiter Wohnsitz wäre für viele denkbar. Länger als 50 Kilometer wollen die hier befragten Ärzte aber nicht pendeln. Ein weiterer spannender Befund: Mehr als 75 Prozent der Teilnehmer würden gern in einer Vier-Tage-Woche in Präsenz arbeiten. „Der allgemeine Trend zeigt sich auch hier – und ist durchaus überraschend“, so Heitz.

An der Blitzumfrage von f&w und Rochus Mummert haben sich Ende September bis Anfang Oktober insgesamt 86 Geschäftsführer und Ober- beziehungsweise Chefärzte beteiligt (66 Männer, 19 Frauen, 1 Divers). Die meisten Teilnehmer (74) waren zwischen 50 und 69 Jahren. 34 Teilnehmer stammen aus einem mittelgroßen Krankenhaus (301–600 Betten), 33 aus Kliniken mit mehr als 600 Betten, 19 aus kleinen Häusern bis 300 Betten. 37 Befragte arbeiten in einem freigemeinnützigen Haus, 32 in einem kommunalen und 17 in einem privaten.

Im Fragebogen wurden die verschiedenen Präferenzen gesondert für Geschäftsführer (31 Teilnehmer) einerseits und Ärzte (35 Chefärzte, 20 Oberärzte) andererseits abgefragt und in dieser Auswertung verglichen.

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