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Zwischen den Sektoren

  • Politik
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  • 25.09.2023

f&w

Ausgabe 10/2023

Seite 875

Mit dem sektorenübergreifenden Versorger oder auch Level-1i-Krankenhaus besteht die Chance, ein seit Jahren diskutiertes Konzept in die Regelversorgung zu überführen. Doch das ist schwierig: „Bettenführend, aber kein Krankenhaus“ – diese Konstellation kennt das SGB V nicht. Und obwohl von vielen gewünscht, hat das Konzept zwischen den Sektorenschubladen bisher keine gute Lobby. 

Nicht zum ersten Mal, aber besonders deutlich setzte sich der Sachverständigenrat Gesundheit 2014 in seinem Gutachten mit innovativen Versorgungsoptionen auseinander. Getrieben von der bereits damals nicht neuen Erkenntnis, dass sich die Bedarfe der Patienten ändern und Medizin sowie Versorgungsstrukturen und Professionen sich weiterentwickeln (müssen), wurde ein Konzept „Lokale Gesundheitszentren zur Primär- und Langzeitversorgung im ländlichen Raum“ skizziert. Die damals als Typ B bezeichnete „stationär gestützte, sektorenübergreifende“ Variante wurde nur grob angerissen. Sie böte „an einem zentralen Ort verschiedene ambulante und gegebenenfalls stationäre Versorgungsangebote unter einem Dach oder auf einem Campus“.

Im Jahr 2018 wurde der Gedanke in einem Gutachten im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung konkretisiert. Als „Intersektorales Gesundheitszentrum“ (IGZ) wurde eine der ambulanten Versorgung zugerechnete, aber bettenführende Einrichtung modelliert. Rund 15 Betten, mehrere ambulant tätige Ärzte, die sich die Betreuung der Patienten aufteilen, eine prominente Rolle der Pflege und keine durchgehende Arztpräsenz in der Einrichtung waren zentrale Eckpunkte.

Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manne Lucha (Bündnis 90/Die Grünen) ist ein Befürworter des Level-1i-Modells. Künftig werde es bundesweit zu einer Umwandlung bisheriger Krankenhäuser zu sektorenübergreifenden Versorgern kommen, die eine integrierte flächendeckende Versorgung sichern, schreibt er in "Eine stark benötigte Fortentwicklung". In Baden-Württemberg plant man mit Primärversorgungszentren – einer Variante von Level 1i. #abo

Der Fokus lag auch hier auf dem ländlichen Raum, mit dem Ziel, eine Zukunftsvision für Gesundheitsstandorte anzubieten, die kein Krankenhaus benötigen, aber durchaus einen Bedarf für die mehrtägige Betreuung von Patienten aufweisen, die im rein ambulanten Setting durch den behandelnden Vertragsarzt nicht mehr sicher geführt werden können. Mit konkreten Zahlen und einem Business Case hinterlegt, wurde die Idee für viele greifbar und ermutigte diverse Initiativen, in diese Richtung weiterzudenken.

Das Innovationsfonds-Projekt Statamed unterstützt kleine Krankenhausstandorte bei der Umwandlung zu kurzstationären allgemeinmedizinischen Einrichtungen und baut drumherum ein Versorgungsnetzwerk auf – über Sektorengrenzen hinweg. Kommt das zum Fliegen, könnte es Vorbild für Level-1i-Häuser sein. Die erste der sechs Minikliniken nimmt demnächst in Bad Gandersheim ihre Arbeit auf. Lesen Sie hier mehr über das Projekt, das als Alternative zur Schließung kleiner Kliniken eine sektorenübergreifende Versorgung mit stationären Anteilen sichern soll. 

Ein Folgegutachten vertiefte 2021 die medizinischen Potenziale und den weitergehenden Mehrwert einer derartigen Organisationsform für die Versorgung einer Region. Die Bertelsmann Stiftung sortierte dieses und weitere zwischenzeitlich entstandenen Konzepte 2022/23 in einer Serie von Texten unter der Überschrift „Kurzstationäre Grund- und Übergangsversorgung“ ein und leistete weitere konzeptionelle Arbeit. Die Stiftung Münch beschrieb mit dem Begriff der „Überwachungsklinik“ einen ähnlichen Ansatz.

In einem Punkt ist die Reform rechtlich problematisch: Die Abgrenzung zu MVZ, die Frage der ärztlichen oder aber pflegerischen Leitung, die unterschiedlichen Vorschriften der Krankenhausgesetze – das Konzept der Level-1i-Krankenhäuser enthält einige juristische Unschärfen. Unser Autor resümiert: Aktuell sei das Konzept eher nicht umsetzbar. #abo

Mit der dritten Stellungnahme der Regierungskommission erblickte im Dezember 2022 dann schließlich das Level-1i-Krankenhaus das Licht der Welt, nur um im Eckpunktepapier von Bund und Ländern zum sektorenübergreifenden Versorger umfirmiert zu werden.

So weit, knapp skizziert, die bewegte Geschichte einer Idee, der in intensiven und konstruktiven Diskussionen Vertreter aller relevanten Gruppen – von Patienten über Pflegekräfte und Ärzte bis zu Krankenhausbetreibern und Kostenträgern – etwas abgewinnen können.

Herausforderungen bei bisherigen Initiativen

Doch was sehen wir bis heute in der Umsetzung?

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