Der Deutsche Evangelische Krankenhausverband (DEKV) präsentiert Vorschläge, wie die Krankenkassen im Krankenhaussektor Geld sparen können, ohne die Versorgungsqualität zu schmälern.
Herr Radbruch, der DEKV hat der Finanzkommission Vorschläge unterbreitet, wie sich Effizienzreserven im Krankenhausbereich heben lassen. Was ist für Sie der größte Hebel?
Der größte Hebel ist nicht eine einzelne Maßnahme, sondern die konsequente Überprüfung vieler kleiner bürokratischer Regelungen. Wir haben exemplarisch für neun Maßnahmen ein Einsparpotenzial von über 29 Millionen Euro pro Jahr ermittelt – ohne Leistungen zu kürzen oder die Qualität zu beeinträchtigen. Es geht dabei nicht um pauschale Deregulierung, sondern um gezielte Entlastung.
Wo lässt sich durch den Abbau von Meldepflichten ohne Qualitätsverlust Geld einsparen?
Ein gutes Beispiel ist die quartalsweise Meldung der Pflegepersonalzahlen nach PPR 2.0. In einem unserer Mitgliedshäuser wurde der Aufwand detailliert erfasst. Er beträgt fünf volle Arbeitstage pro Quartal und umfasst ausschließlich Datenerhebung und -aufbereitung. Nur diese eine Meldung verursacht, auf alle betroffenen Krankenhäuser hochgerechnet, einen bundesweit jährlichen Personalkostenaufwand von über zehn Millionen Euro. Eine Umstellung auf eine Jahresmeldung erfüllt denselben Steuerungszweck bei deutlich reduziertem Ressourcenbedarf.
Wie lassen sich Strukturprüfungen standardisieren und zusammenführen?
Strukturprüfungen sind wichtig, stehen jedoch exemplarisch für unnötige Doppelarbeit. Widersprüchliche Vorgaben zwischen OPS-Strukturprüfungen, Leistungsgruppenprüfungen und Qualitätsberichten führen zu Mehrfachprüfungen, ohne einen zusätzlichen Erkenntnisgewinn zu liefern. Wir plädieren daher für eine einheitliche digitale Plattform mit abgestimmten Prüfkriterien und einem zentralen bürgerverständlichen Nachweisregister. Auf diese Weise lassen sich Wiederholungen vermeiden, Konflikte mit dem Medizinischen Dienst reduzieren und zugleich Transparenz schaffen.
Wie stehen Sie zur Abschaffung des Pflegebudgets – wäre das nicht auch ein Beitrag zur Entbürokratisierung?
Das Pflegebudget hat sich zu einem hochbürokratischen Prüf- und Konfliktsystem entwickelt. Eine Umgestaltung des Instruments könnte tatsächlich zur Entbürokratisierung beitragen. Die vollständige Refinanzierung des erforderlichen Pflegepersonals muss aber dauerhaft gesichert bleiben. Erforderlich ist dafür ein klares, einfaches System mit verbindlicher wissenschaftlich-evaluierter Personalbemessung.