Spitzenmedizin und Familie unter einem Hut: Das Kollegialsystem im Sana Krankenhaus Templin zeigt, wie Jobsharing in der Medizin funktioniert.
Herr Dr. Kreutzkamp, Herr Dr. Gebbensleben, wie kam es zur Entscheidung, die Chefarztposition als Doppelspitze zu besetzen?
Dr. Kreutzkamp: Wir sind seit zweieinhalb Jahren im Sana Krankenhaus Templin. Die Idee zur Doppelbesetzung der Chefarztposition kam aus unserer persönlichen Verbindung. Ole Gebbensleben und ich kennen uns seit vielen Jahren; kennengelernt haben wir uns 2009 in Berlin während der Facharztausbildung zum Gastroenterologen. Wir haben damals schon gemerkt, dass wir ähnlich denken. Als die Position frei war, war für uns klar: Wir wollen das gemeinsam machen. Aber nicht klassischerweise als Chef- und Oberarzt, sondern als zwei Chefärzte auf Augenhöhe.
Dr. Gebbensleben: Das war für uns auch eine Frage der Lebensqualität. Wir haben beide Familien, Partnerinnen mit eigenen Karrieren und kleine Kinder. Im Alleingang wäre die Position für uns nicht denkbar gewesen. Wir wollten ein Modell, das Beruf und Privatleben vereint – ohne Abstriche.
Wie teilen Sie sich die Arbeit als Chefärzte auf?
Dr. Kreutzkamp: Ich bin Montag bis Mittwoch vor Ort, Ole Gebbensleben von Mittwoch bis Freitag. Mittwoch ist somit unser gemeinsamer Tag – insbesondere für die Abstimmung der Aufgaben. An unseren jeweiligen freien Tagen übernehmen wir Familienaufgaben, sind aber digital erreichbar. Briefe, Laborwerte, organisatorische Themen funktionieren dann auch von zu Hause aus.
Dr. Gebbensleben: Wir arbeiten somit jeweils drei Tage intensiv vor Ort. Das Pensum einer Chefarztrolle ist hoch, aber durch die Reduktion sind wir in der Zeit vor Ort sehr präsent. Wir sind von morgens bis abends in der Klinik. Zusätzlich übernehmen wir auch Wochenend- sowie Hintergrunddienste – aber auch, wenn wir nicht in der Klinik sind, loggen wir uns oft ins System ein und sind greifbar.
Gab es besondere Herausforderungen bei der Einführung der Doppelspitze?
Dr. Gebbensleben: Überraschend wenige. Die Geschäftsführung war offen. Wir haben mehrere Gespräche geführt, grundsätzlich gab es keine Kritik. Dann haben wir uns gemeinsam vertraglich auf zwei 70-Prozent-Stellen geeinigt. Und auch die Gehaltsverhandlung haben wir zusammen geführt. Das war für alle Beteiligten zwar neu, aber für uns eine logische Vorgehensweise.
Dr. Kreutzkamp: Uns war es wichtig, dass wir gleichgestellt sind, auch finanziell. Unterschiedliche Gehälter hätten später Konflikte erzeugt. Für den Geschäftsführer war das zuerst ungewohnt, trotzdem hat es funktioniert. Wir wollten keine Unterschiede.
Inwiefern profitiert das Krankenhaus von der geteilten Chefarztposition?
Dr. Kreutzkamp: Größter Benefit für unser Haus ist die Kontinuität. Einer von uns ist immer da, auch bei Urlaub oder Krankheit mit Absprache. Das sichert die Versorgung und vermeidet Verlegungen von Patienten, die dringend einen endoskopischen Eingriff benötigen. In kleineren Häusern ist das ein echter Pluspunkt. Wir können uns gegenseitig vertreten, auch in Notfällen. Das gibt Sicherheit für die Patientenversorgung.
Dr. Gebbensleben: Zudem sind wir verlässliche Ansprechpartner für das Management und haben eine hohe Präsenz an den jeweiligen Arbeitstagen. Das Kollegialsystem ist außerdem eine alternative Lösung, um Führungskräftenachwuchs aufs Land zu locken.
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