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Rollenbilder für Advanced Practice Nurses

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  • 18.12.2025

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Ausgabe 1/2026

Seite 36

Advanced Practice Nurses (APN) sind hoch qualifizierte Pflegeexpertinen mit einem Masterabschluss, die pflegerische Aufgaben übernehmen, klinische Entscheidungen treffen, Forschung in die Praxis implementieren, lehren und die Versorgungssicherheit erhöhen.

Deutschland hinkt bei Advanced Nursing Practice (ANP) meilenweit hinterher. Während Advanced Practice Nurses (APN) international längst unverzichtbar seien, sehen wir hierzulande Pflege nur als „helfende Hand“, moniert unser Autor.

Advanced Practice Nurses (APN) sind hoch qualifizierte Pflegeexpertinen mit einem Masterabschluss, die pflegerische Aufgaben übernehmen, klinische Entscheidungen treffen, Forschung in die Praxis implementieren, lehren und die Versorgungssicherheit erhöhen. In Ländern wie Kanada, Großbritannien oder den USA ist ANP ein bewährtes Modell zur Sicherstellung einer hochwertigen Versorgung – besonders in ländlichen oder unterversorgten Regionen. APN nehmen Einfluss auf Outcomes, Versorgungsstrukturen und die Patient:innensouveränität. Daher setzen wir im katholischen Marienkrankenhaus Hamburg auf diese wertvolle Ressource. Akademisierung bedeutet aber nicht, Pflegefachpersonen aus der direkten Versorgung zu entfernen. Sondern genau hier sollen hochschulisch-qualifizierte Pflegeexpert:innen wirken. Insofern ist Advanced Nursing Practice eine „neue“ und zugleich wichtige Säule der Versorgung.

Grundsätze von Advanced Nursing Practice

Pflegende mit einem Masterabschluss und Berufszulassung (Primärkriterium) verfügen über Kompetenz in der Verantwortungsübernahme in der direkten klinischen Versorgung. Als Kernkompetenz zeigt sich die Beratung von Patient:innen, deren Zugehörigen einerseits und die Beratung und Unterstützung von Kolleg:innen bei Unsicherheiten andererseits sowie die Implementierung neuster wissenschaftlicher Erkenntnisse. Im Marienkrankenhaus Hamburg haben wir sieben APN, drei angehende APN und drei promovierte pflegewissenschaftliche Mitarbeitende beschäftigt. Die APN sind in komplexen Versorgungsfeldern beschäftigt, beispielsweise der Geriatrie mit dem Schwerpunkten Delir/Demenz und Überleitungsmanagement sowie in der sektorenübergreifenden Versorgung, der Geburtshilfe, der Onkologie mit dem Schwerpunkt Beratung, der Intensivpflege mit dem Schwerpunkten ECMO-Therapie, in der Angehörigenberatung oder in Critical-Care-Outreach-Teams. Wir möchten unser ANP-Programm sukzessive in andere Fachbereiche ausweiten, zum Beispiel die Pulmologie oder die Palliativpflege.

Die Risiken von sogenannten Shared-Leadership-Modellen dürfen dabei nicht verkannt werden. Schließlich impliziert die hochschulische Ausbildung der APN eine neue Dimension auf kollegialer Ebene. Wir setzen bewusst nicht auf eine Trennung von fachlicher und disziplinarischer Führung, sondern setzen unsere APN auf Augenhöhe ein. Denn wir partizipieren von der Nähe, dem Austausch und möchten diese fachliche Stärkung und Professionalisierung nicht mit Pflegemanagement vermengen, wenngleich natürlich auch die pflegerischen Führungskräfte von der Expertise partizipieren und die APN Führungsfertigkeiten mitbringen. Letztere sind zur Wissensvermittlung, zur Gestaltung von Prozessmanagement als wie auch für den Wissenstransfer unabdingbar.

Akademisierung – keine Option, sondern Pflicht

Circa 50 Prozent der Schulabgänger:innen haben heute Studienberechtigung (BMBF: 2020). Wer diese Talente will, muss Karrierewege bieten: Bachelor, Master, Promotion. Für das Marienkrankenhaus Hamburg ist Akademisierung ein Schlüssel zu einer besseren Pflege – und zu mehr Respekt im System. Dabei erhöhen APN nicht nur die Patientenzufriedenheit, sondern reduzieren auch Ängste und senken die direkten Kosten sowie die Rehospitalisierungsrate – wie erste Studien zeigen. Die Pflegeexpert:innen schließen eine Lücke. Durch Adaption von Hilfsmitteln wie der EliBox werden Delirquoten und somit auch das herausfordernde Verhalten von Patient:innen zugunsten der Mitarbeitenden gesenkt. Durch Kurzschulungen in Übergaben, die Etablierung von One Minute Wondern (OMW) und Aktionstagen erfolgt ein praxisnaher Wissenstransfer und die Sensibilisierung der Kolleg:innen.

Skill and Grade Mix statt Ersatz

Die Pflegexpert:innen auf Masterniveau oder mit Promotion sind dabei eine wertvolle Ergänzung zu unseren bachelorqualifizierten Pflegenden, Pflegefachpersonen sowie Gesundheits- und Pflegeassistent:innen. Der Qualifikationsmix ist ein Gewinn, jedes Qualifikationsniveau hat Stärken. Je nach Komplexität der Versorgungssituation möchten wir individuell zusammengestellte Teams und Qualifikationsmixe transparent begründen und zugleich einsetzen.

Warum noch kaum jemand APN kennt

Während die Öffentlichkeit mittlerweile weiß, was ein Physician Assistant ist, bleibt APN für viele ein Fremdwort. Pflege wird noch zu oft in der „helfenden“ Rolle dargestellt. Das Narrativ muss sich ändern. Es fehlt eine offensive Kommunikationsstrategie. Daher setzen wir auf eine Vielzahl von Veranstaltungen, bieten Aktionstage, APN-Informationsveranstaltungen und ein jährliches Sommerkolleg an. Durch diese Rollenstärkung soll „ein Berufsleben in der Pflege“ wieder vorstellbar und eine echte Option für Schulabgänger:innen werden.

Wir haben keinen „Magnet“-Status als Ziel

Viele deutsche Kliniken haben den „Magnet“-Begriff übernommen, ohne tatsächlich eine Magnet-Zertifizierung anzustreben. Die reale Transformation wurde oft durch oberflächliche Projekte ersetzt. Wir erleben „Magnet“ als ein Buzzword und setzen diesen „Status“ aktuell nicht als Ziel – sondern fokussieren auf die interne Akzeptanz, Mitarbeitendenförderung und auf eine zunehmende Anzahl hochschulisch qualifizierter Pflegeexpert:innen in unseren Teams.

Sektorenübergreifende Versorgung im Fokus

Wir möchten außerdem die Sektorengrenzen aufbrechen. Community Health Nursing bedeutet, Pflege dorthin zu bringen,wo Gesundheit entsteht – in Quartieren, Schulen, Betrieben, Familien oder Krankenhäusern. Pflegewissenschaft kann hier direkt in die Versorgung eingreifen und autonom wirken, beispielsweise durch Interventionsstudien in der Community, Implementierung evidenzbasierter Programme (Sturzprävention, Diabetesmanagement, Kindergesundheit) und die Entwicklung neuer Versorgungsmodelle (APN in einem CarePoint, Family Nurses). Advanced Practice Nursing und Community Health Nursing sind die Bühnen, auf der Pflegewissenschaft nicht nur forschen – sondern wirken kann und zugleich sichtbar ist. Denn die Frage ist nicht mehr, ob APN eingeführt wird – sondern wie lange wir es uns leisten können, darauf zu verzichten.

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