Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen stemmen kontinuierlich Veränderungsprojekte. Doch nicht jede Maßnahme führt zu echter Transformation. Das Zukunftsmodell Three Horizons hilft dabei.
Mangel an Veränderungsprojekten herrscht ja selten. Da steckt viel Engagement dahinter, und trotzdem entsteht oft das Gefühl: Wir arbeiten richtig viel, aber richtig anders wird es nicht. Ein möglicher Grund dafür liegt in der spannenden Frage: Arbeiten wir eigentlich an einer besseren Zukunft oder stabilisieren wir vor allem die Gegenwart? Eine hilfreiche Perspektive darauf bietet die Methode „Three Horizons“ aus der Zukunftsforschung.
Sie unterscheidet drei Zeithorizonte:
- Horizont 1 beschreibt das bestehende System, das heute funktioniert und aufrechterhalten werden muss.
- Horizont 3 steht für ein mögliches zukünftiges System – also für neue Formen der Zusammenarbeit, Versorgung oder Organisation, die heute vielleicht noch ungewohnt erscheinen.
- Dazwischen Horizont 2, der Übergang, der zwei Facetten hat:
- Horizont 2-minus (Reparieren des Bestehenden) umfasst Maßnahmen, die das bestehende System verbessern und stabilisieren. Sie sind häufig notwendig: Prozesse werden effizienter, Engpässe gelöst, Strukturen optimiert. Ohne diese Maßnahmen würde der Alltag kaum funktionieren. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass sie vor allem dazu beitragen, das heutige System länger am Laufen zu halten.
- Horizont 2-plus (Erproben der Zukunft) beschreibt dagegen Experimente und Ansätze, die bereits Elemente einer möglichen anderen Zukunft enthalten. Welche neuen Rollen brauchen wir? Wie kann Zusammenarbeit anders gestaltet werden? Welche Aufgaben können neu verteilt werden? Welche Formen der Versorgung passen zu den Herausforderungen der kommenden Jahre?
Eine Klinik kann zum Beispiel versuchen, offene Stellen schneller zu besetzen und bestehende Aufgaben mit weniger Personal zu bewältigen. Das können wichtige H2-minus-Maßnahmen sein. Gleichzeitig könnte sie ausprobieren, wie ein anderer Skill Mix, neue Rollen oder veränderte Versorgungsmodelle aussehen könnten – ein Schritt in Richtung H2-plus.
Es geht also nicht primär darum, ob unsere Maßnahmen gut oder schlecht sind, sondern eher darum, welche Zukunft sie unterstützen: Verlängern sie die Funktionsfähigkeit unseres heutigen Systems? Oder eröffnen sie bereits Möglichkeiten für ein künftiges?
Weitere Infos
Sharpe, Bill (2020): Three Horizons: The Patterning of Hope. Triarchy Press. Ein praxisnaher Zugang zur Frage, wie Organisationen zwischen notwendiger Stabilisierung, Übergang und Zukunftsgestaltung unterscheiden können.