Sektorenübergreifende Bedarfsplanung

AOK und AKG forcieren Reform der Versorgungslandschaft

  • Krankenhausplanung
AOK und AKG forcieren Reform der Versorgungslandschaft
AKG-Vorstandsvorsitzender Matthias Bracht (l.) und AOK-Chef Martin Litsch.

Die Allianz Kommunaler Großkrankenhäuser (AKG) und der AOK-Bundesverband fordern in einem gemeinsamen Papier ein Stufenmodell für Krankenhäuser und eine ambulant-stationäre Versorgungsplanung. Die AKG-Mitgliedskrankenhäuser sind für circa 10 Prozent der stationären Versorgung zuständig und damit der zweite große Partner aus dem Klinikkosmos, mit dem der AOK-Bundesverband eine Reform der Versorgungslandschaft forcieren will. Bereits vor drei Wochen hatte die AOK gemeinsam mit dem Klinikriesen Helios eine sektorenübergreifende Bedarfsplanung gefordert.

Warum kein Ärztevertreter mit am Tisch sitze, war dann auch eine der ersten Fragen auf der Pressekonferenz, in der AOK-Chef Martin Litsch und AKG-Vorstandsvorsitzender Matthias Bracht ihre Forderungen vorstellten. Die sektorenübergreifende Bedarfsplanung ist in diesen Monaten vor der Bundestagswahl das große Thema im gesundheitspolitischen Berlin, und so reiht sich das AOK-AKG-Papier in eine Reihe von Appellen ein. Wie eine gemeinsame Planung und eine intersektorale Finanzierung aussehen könnten, ließen die Verbände jedoch weitgehend offen. „Wir brauchen Ordnungsrahmen für regionale Vertragsausgestaltung – all das sollte nicht mehr in getrennten Sektoren stattfinden“, appellierte Litsch. Seine Ansicht nach sollen Kassen, Ärzte und Kliniken den Sicherstellungsauftrag auf regionaler Ebene gemeinsam übernehmen – unter dem Dach der Landesaufsicht. Die Stimmenverteilung solle ähnlich wie beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) sein. „Als konkrete Lösung haben wir in unserem Positionspapier zur Bundestagswahl die sogenannten 3+1-Gremien vorgeschlagen. Darauf aufbauend kann vor Ort und orientiert am regionalen Bedarf der Bevölkerung gestaltet werden.“ Litsch räumte allerdings ein, dass man sich momentan noch auf der Suche nach einem allgemeinen "Zielbild" befinde. Hoffnungen setzt der AOK-Chef in die Veröffentlichung des für Januar erwarteten AOP-Katalogs (für ambulantes Operieren). Der Katalog könne ein erster Schritt in die sektorenübergreifende Finanzierung sein, so Litsch – wobei er andeutete, dass der Katalog angesichts der unterschiedlichen Interessenlage zwischen Kassen, Kliniken und KBV nicht rechtzeitig fertig wird.

Etwas handfester ist die Forderung von AOK und AKG nach einem Stufenkonzept für die „Ausdifferenzierung der Krankenhauslandschaft“, wie Matthias Bracht es nennt. In ihrem Positionspapier führen die beiden Verbände die Stufen zwar nicht detailliert aus, auf der AKG-Webseite findet sich allerdings ein Modell mit den drei Stufen „Basis“, „Erweitert“ und „Umfassend“. Litsch beeilte sich zu betonen, dass es für die Kassen nicht darum gehe, Kliniken in die Pleite zu führen und so einem kalten Strukturwandel in der Krankenhauslandschaft zuzuschauen. „Wir brauchen viel mehr eine gesteuerte Strukturentwicklung“, so Litsch. Bracht betonte, ein solches Konzept heiße nicht, dass große Kliniken gut und kleine schlecht seien, sondern das Rollen und Aufgaben klarer umrissen werden müssten. Er unterstrich, dass es bei der Krankenhausplanung auch mit einem G-BA-Stufenmodell weiterhin Spielraum auf regionaler Ebene geben müsse. Nicht alles könne in Berlin geregelt werden. 

Die Gesundheitspolitik ist geprägt von Machtkämpfen zwischen Bund und Ländern, ebenso wie zwischen Krankenhäusern und Kassenärztlicher Bundesvereinigung. AOK und AKG wollen ihren „Schulterschluss“ deshalb auch als Signal an die Politik verstanden wissen, die Gesundheitsversorgung endlich umfassend zu reformieren. 

Über neue Versorgungsformen wurde auch auf den Biersdorfer Krankenhausgesprächen Anfang September diskutiert:

Autor

 Jens Mau

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