Reform der Krankenhauslandschaft

GKV fordert mehr Macht für den Bund

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GKV fordert mehr Macht für den Bund
Stefanie Stoff-Ahnis © GKV-Spitzenverband

Nach dem Auslaufen der Freihaltepauschalen drängt der GKV-Spitzenverband auf eine Reform der Krankenhauslandschaft und -finanzierung und fordert bundesweite Qualitätsvorgaben, höhere Transparenz und eine stärkere Ambulantisierung.

Vorstand Stefanie Stoff-Ahnis und Dr. Wulf-Dietrich Leber, Leiter der Abteilung Krankenhäuser beim GKV-Spitzenverband, unterstrichen heute in Berlin, dass das „Goldene Jahr der Krankenhausfinanzierung“ in der Coronakrise eine Ausnahme bleiben muss. Einem Fallzahlenrückgang von 13 Prozent im Jahr 2020 (zu 2019) stand im gleichen Zeitraum ein Erlöszuwachs der Krankenhäuser von 15 Prozent gegenüber, rechneten sie heute auf einer Pressekonferenz vor. Die GKV habe somit auch die Krankenhausstrukturen durch die Corona-Ausgleiche gesichert. Aber: „Der langfristige Reformbedarf in der Krankenhausversorgung ist spätestens jetzt akut geworden“, so Stoff-Ahnis. Der Status-quo dürfe nicht konserviert werden.

Auch mit Blick auf die Debatte um finanzierte und tatsächlich aufgestellte Intensivbetten fordern die gesetzlichen Kassen mehr Transparenz. Noch immer könnten die Kassen nicht nachvollziehen, in welchen Krankenhäusern wie viele zusätzliche Intensivbetten aufgebaut worden seien. „Es geht nicht um einen Generalvorwurf, sondern darum, die Spreu vom Weizen zu trennen“, so Stoff-Ahnis. Das DIVI-Register hat sich nach ihrer Einschätzung, trotz auch zweifelhaftem Meldeverhalten, grundsätzlich bewährt. Daher sollte es auch auf Normalstationen tagesaktuelle Register geben, die „bürokratiearm“ gestaltet werden sollen. „Eine zügige Ausweitung auf alle Krankenhausbereiche ist notwendig und machbar, eine aktuelle Übersicht zum Leistungsgeschehen ist überfällig“, so Stoff-Ahnis. Der aktuelle Streit um die Intensivbetten zeige aber, dass auch hier geprüft werden müsste, ob ein solches Register sachgerecht geführt werde. Auch sei eine Rückkehr zur regulären Rechnungsprüfung überfällig. Die Reduktion auf eine Prüfquote von 5 Prozent habe auch „erhebliche Auswirkungen auf die GKV-Finanzen“.

Zudem plädiert der GKV-SV für mehr bundeseinheitliche Strukturvorgaben. Die Steuerung von Covid-Patenten über gezielte Freihaltepauschalen in der zweiten Welle, orientiert am gestuften System der Notfallstrukturen, sei ein Schritt in die richtige Richtung gewesen – mit Blick auf die Qualität, aber auch eine sachgerechte Mittelverwendung. Mindestmengen sollten flächendeckend umgesetzt und weiterentwickelt werden.

Beim Leistungsgeschehen rechnen die Kassen mit einer deutlichen Verschiebung in den ambulanten Bereich. Die Ein-Tages-Fälle im Krankenhaus haben sich von 2005 bis 2019 fast verdoppelt, rechnete Leber vor. In der Corona-Krise sei die Zahl dieser Fälle um 28 Prozent zurückgegangen, wie das Gutachten von Prof. Boris Augurzky und Prof. Reinhard Busse gezeigt habe. „Wir werden nie wieder so viele Krankenhausfälle wie 2019 haben. Das neue Normal wird eine Fallzahlenreduktion mit sich bringen“, prognostizierte Leber. Die zunehmende Ambulantisierung sei zudem ein wichtiger Baustein in der Entlastung der Pflege im Krankenhaus, neben einer (digitalen) Personalbedarfsermittlung und Pflegepersonaluntergrenzen. Leber sprach sich in diesem Zusammenhang gegen einen neuen Versorgungssektor aus, sondern plädierte für eine klarere Definition von Leistungen, die im Krankenhaus erbracht werden sollten. Offen zeigt sich die GKV für eine bessere Finanzierung von Vorhaltekosten im DRG-System, allerdings müsse es hier einen klaren Bevölkerungsbezug vor Ort geben. Bei regionalen Versorgungsmodellen, wie sie beispielsweise die Grünen oder private Krankenhausunternehmen derzeit fordern, gebe es noch viele Fragen, so Leber. So sei unklar, wer die Verantwortung im konkreten Fall tragen soll oder ob solche Projekte niedergelassene Ärzte einschließen oder nicht.

Autor

 Florian Albert

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