Steigende Infektionszahlen

Rote Krankenhaus-Ampeln: Kliniken verschieben planbare Eingriffe

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Rote Krankenhaus-Ampeln: Kliniken verschieben planbare Eingriffe
Neben intubierten Patientinnen und Patienten gibt es auch wache. Dieser Patient wird über einen Luftröhrenschnitt beatmet. Dadurch kann er bei Bewusstsein sein und sogar Nahrung zu sich nehmen. © Mühlenkreiskliniken/Kai Senf

Die Krankenhaus-Ampeln zur Intensivbettenauslastung schalten aufgrund rapide steigender Corona-Infektionszahlen immer häufiger auf rot. Mehr und mehr Kliniken verschieben deswegen planbare Behandlungen. Das teilen in dieser Woche unter anderem in Berlin die Charité und Vivantes, in Bayern die Asklepios Stadtkliniken Bad Tölz und das Penzberger Klinikum sowie in Baden-Württemberg die Krankenhäuser in den Landkreisen Sigmaringen und Freudenstadt, das Schwarzwald-Baar-Klinikum sowie die Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren mit. 

Vor allem in den neuen Bundesländern sowie in Bayern und Baden-Württemberg spitzt sich die Corona-Lage immer weiter zu. Kliniken schalten Schritt für Schritt in den Notfallmodus. Normalstationen werden in Covid-Stationen umgewandelt. Und viele Häuser fürchten einen finaziellen Kollaps. 

Die Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft (BWKG) fordert deswegen schnelle Entscheidungen seitens der Politik auf Bundes- und Landesebene. "Damit die Kliniken alle Kräfte der Bekämpfung der Pandemie konzentrieren können, ist jetzt eine sofortige umfangreiche Bürokratieentlastung erforderlich", betont der Vorstandsvorsitzende der BWKG Heiner Scheffold am Donnerstag. Die MDK-Prüfquote müsse auf fünf Prozent begrenzt werden, die Kliniken sollten bis einschließlich März von umfangreichen Dokumentationen bezüglich der Personaluntergrenzen sowie der Personalausstattung-Psychiatrie-Richtlinie ausgesetzt werden und die OPS-Strukturprüfung müsse um ein Jahr verschoben werden, heißt es in der Pressemitteilung. „Die Krankenhäuser können ihren wichtigen Beitrag für die Versorgung nur dann leisten, wenn das Damoklesschwert der externen Bürokratiebelastung nicht ständig über ihnen schwebt“, ergänzt Scheffold. Zudem fordert der BWKG-Vorstandsvorsitzende, die Freihaltepauschalen wiedereinzuführen. „Hochdifferenzierte und bürokratieaufwändige Klein-Klein-Hilfen, wie sie offenbar gerade im Bundesgesundheitsministerium ausschließlich für einen Teil der Intensivstationen diskutiert werden, sind in der aktuellen Notsituation völlig unzureichend."

Aber auch im Norden und Nordosten rechnen die Kliniken damit, planbare Eingriffe verschieben zu müssen. Intensivmediziner rechnen deutschlandweit mit einer zunehmenden Einschränkung des Regelbetriebs in den Krankenhäusern, wie rp-online berichtet. "Ich habe insofern große Sorge davor, dass wir in eine Art latente Triage reinkommen. Dass wir dann wirklich genau schauen, wen können wir dann noch in welches Krankenhaus verlegen und wen können wir aufnehmen", äußert Dr. Stefan Kluge, Direktor der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, gegenüber den Allgäuer Nachrichten.

Die Intensivstationen stoßen bereits jetzt an ihre Belastungsgrenzen. Pflegekräfte sind am Ende ihrer Kräfte, Non-Covid-Patienten stehen hinten an. Häufig sind die Corona-Intensivpatienten ungeimpfte Personen, wie der Corona-Beauftragte am Klinikum Freising, Dr. Christian Fiedler, gegenüber Merkur bestätigt. Der Pandemiebeauftragte Manfred Wagner vom Klinikum Fürth mahnt gegenüber Nordbayern: „Jeder Ungeimpfte, der aktuell auf der Intensivstation behandelt werden muss, sorgt dafür, dass andere Patienten benachteiligt sind.“ Ungeimpfte sollten sich impfen lassen, so sein Appell. Die Impfung sei der einzige Weg aus der Pandemie. 

Der deutsche Ethikrat fordert inzwischen, eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen dringend zu prüfen. Auch die BWKG unterstützt eine entsprechende Impfpflicht für Mitarbeitende im Gesundheitswesen.

Mehr zum Thema
Diskussionen um Triage im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie gab es bereits im vergangenen Jahr. Prof. Dr. Holger Hulthusen, Medizinischer Direktor im Verbund der Knappschaftskliniken schilderte im Interview, wie man auf den Ernstfall vorbereitet ist.

Autor

 Anika Pfeiffer

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