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  • 01.02.2020
Ausgabe 2/2020

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Ausgabe 2/2020

Seite 100

Rolle rückwärts
Prof. Dr. Andreas Beivers ist Professor für Volkswirtschafts­lehre und Studiendekan für Gesundheitsökonomie an der Hochschule Fresenius in München.

Der Pflexit hat die Bemühungen für eine sektorenübergreifende Versorgung konterkariert, kritisiert der Gesundheitsökonom Prof. Dr. Andreas Beivers.

Kritiker monieren, dass viele stationäre Krankenhauseingriffe eigentlich ambulant erbracht werden könnten. Wie groß ist das Potenzial wirklich?

Die vielen internationalen Vergleiche, auf die immer wieder Bezug genommen wird, haben einen Haken: Das, was im Ausland als ambulant und stationär definiert wird, entspricht nicht dem, was wir darunter verstehen. Viele Leistungen, die andere Länder ambulant erbringen, fallen hierzulande eigentlich in die Kategorie teilstationär, da Ressourcen von Krankenhäusern eingesetzt werden. Wir müssten eigentlich zuerst definieren, was wir unter diesen Begriffen verstehen.

Wie kann das funktionieren?

Das DRG-System hätte uns dabei helfen können, da wir auf dessen Basis ambulante Leistungskomplexe hätten erheben können. Mit dem Pflexit hat die Politik diesen gestalterischen Aspekt jedoch zerstört. Die Kraft, die man noch immer in die Ausgliederung der Pflege steckt, hätte man lieber in die Ambulantisierung der DRG investieren sollen. Einen Plan B gibt meines Wissens nicht.

Was halten Sie von den „Capitation-Modellen“, also regionalbezogene Versorgungsbudgets, die derzeit diskutiert werden?

Capitation-Modelle können für ländliche Regionen interessant sein, ob sie allerdings flächendeckend und in Städten eingesetzt werden können, ist fraglich. Kartellrechtliche Aspekte kommen hinzu, wenn es nur noch einen Anbieter geben soll. Wie ernüchternd die Politik derzeit ist, unterstreicht die Notfallversorgung. Ich hatte immer gehofft, dass es uns hier gelingen wird, hybride Vergütungsmodelle zu schaffen. Stattdessen sollen nun Integrierte Versorgungszentren (INZ) auf EBM-Basis entstehen, und jeder Fall im Krankenhaus bleibt im DRG-System. Dabei gibt es auch in der sogenannten ambulanten Notfall­medizin viele komplexere Leistungen, welche der interdisziplinären Kompetenz eines Krankenhauses bedürfen. Dafür braucht es adäquate intersektorale, hybride Vergütungs­systeme. 

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