Vorstandsvorlage von Iris Minde

Spitzenzentren anders fördern

  • Strategie
  • Management
  • 19.10.2020
Ausgabe 10/2020

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Ausgabe 10/2020

Seite 916

Spitzenzentren anders fördern
Dr. Iris Minde, Geschäftsführerin am Klinikum St. Georg in Leipzig

Beim Spitzentreffen der Akteure im Gesundheitswesen Anfang September in Berlin hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn eine sehr zutreffende Aussage gemacht. Zusätzlich zur von der DKG geforderten flächendeckenden Versorgung mit wohnortnaher Spezialisierung mahnt er die Akteure im Gesundheitswesen zu mehr Abstimmung und Zusammenarbeit. Zentralisierte Strukturen, bei denen überregional Kompetenzen gebündelt werden – von solchen Versorgungsstrukturen profitieren Patienten. Dass dies funktionieren kann, hat allein schon die Abstimmung der Kliniken untereinander in der Corona-Krise bewiesen: Mit dem Krankenhausregister für Intensivbetten gelang eine bessere Kommunikation und Koordination zum Wohle der Patienten.

Der G-BA hat im Dezember 2019 die besondere Qualität der Spitzenmedizin herausgestellt und hoch spezialisierte Behandlungen an bestimmte Kompetenzzentren gebunden. Konkret besagt der Beschluss, dass die regionale Vernetzung dort endet, wo hoch spezialisierte Fach- und Medizinkompetenz auf wenige Patienten trifft.

In der Corona-Krise wurde deutlich, dass Behandlungszentren für Infektionskrankheiten die aktuelle Forderung des G-BA bereits erfüllen. Als Geschäftsführerin eines Klinikums mit einem entsprechenden Kompetenz- und Behandlungszentrum für Mitteldeutschland weiß ich um die Besonderheit und die damit verbundene Erwartungshaltung und Verantwortung. Hier treffen zwei Welten aufeinander: Zum einen die hoch spezialisierte Behandlung schwersterkrankter Patienten, zum anderen die überregionale Netzwerkarbeit. Zum täglichen Geschäft während der Krise gehörte die Beratung von Verantwortlichen auf Landesebene zur Anpassung der Pandemieplanung, Abstimmungen auf regionaler Ebene mit der Kommune und den Krankenhäusern zur konkreten Koordination der Patientenzuweisungen oder die Zusammenarbeit mit Alten- und Pflegeheimen und dem Gesundheitsamt.

Doch was kommt danach? Hochleistungsmedizin bedarf neuer Finanzplanungen, die im jetzigen Finanzierungssystem nur schwerlich abzubilden sind. Am Beispiel des St. Georg lässt sich dies gut darstellen. Unsere Infektiologie mit Sonderisolierstation ist für den Raum Mitteldeutschland und somit für drei Bundesländer zuständig. Diese drei Länder sollten also gleichermaßen investive Mittel und laufende Kosten bereitstellen. In der Realität ist allein die Abstimmung der Haushaltsplanungen unter den Ländern schwer.

Medizin ist Veränderung. Moderne Standards in der Versorgung von Patienten und auch bei der Ausstattung von Kliniken müssen zwingend auch in Spezialzentren umgesetzt werden. Aktuell plane ich einen Neubau für unsere Infektiologie mit Sonderisolierstation. Das neue Konzept enthält auch Pläne, wie im Falle einer Pandemie Behandlungskapazitäten schnell erweitert werden können. Ich stehe jetzt vor der Herausforderung, dieses für Bund, Länder und Kommunen sinnvolle Konzept finanziell und strukturell zu koordinieren.

Ich plädiere nicht nur für länderunabhängige einheitliche strukturelle Vorgaben für Zentren der Spitzenmedizin, sondern auch für deren ganzheitliche Finanzierung. Hier sehe ich den Bund in der Pflicht. Krankenhausplanung und -finanzierung muss hier unbürokratisch, schnell und einfach sein.

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