Editorial

Wieder im Krisenmodus

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  • 29.11.2021

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Ausgabe 12/2021

Seite 1057

Wieder im Krisenmodus
Florian Albert

Unser „Bilanzgespräch“ mit Astrid Lurati, Finanzvorstand der Charité, hatten wir im Sommer verabredet – als der Impfturbo zündete, Corona gebändigt schien und die Kliniken wieder ein Stück weit zur Normalität gefunden hatten. Im November hat die vierte Covid-Welle das Land und mit ihr die Berliner Charité mit voller Wucht erwischt. Nur wenige Tage vor unserem Gespräch mit Frau Lurati vermeldete die Charité, dass sie alle planbaren Operationen absagen muss. Der Medizinbetrieb ist wieder im Pandemiemodus – schneller und heftiger, als viele noch vor Kurzem geahnt haben. Dieser Winter ist ein weiterer Stresstest für unser Gesundheitssystem – medizinisch und ökonomisch. „Die vierte Welle droht deutlich höhere Belastungen zu verursachen als die vorherigen“, warnt Astrid Lurati (Seite 1124).

Der Charité geht es wie den meisten Krankenhäusern: Erst im Sommer hatten sich die Patientenzahlen in einigen Bereichen wieder dem Normalniveau angenähert. Mit etwas Glück, so dachte man, hätte man Ende des Jahres ein Leistungsniveau in Höhe von 80 Prozent des Jahres 2019 schaffen können. Inzwischen ist klar, dass dieses Ziel unerreichbar ist. Zwar greift die Politik den Kliniken mit einem Corona-Versorgungsaufschlag von bis zu 9.500 Euro je Fall unter die Arme. Dennoch wird die Charité das Geschäftsjahr mit einem noch nicht vorhersehbaren Verlust im zweistelligen Millionenbereich abschließen – und wie viele andere Häuser mit einer schweren Hypothek ins Jahr 2022 starten.

Wer dann die Geschicke der Krankenhauspolitik lenkt, war bei Redaktionsschluss noch offen. Immerhin flatterte kurz vor dem Drucktermin das konsentierte Papier der Verhandlungs-AG Gesundheit auf unseren Schreibtisch. Eine Reformkommission aus Bund und Ländern soll demnach den Gordischen Knoten bei der Krankenhausstrukturreform zerschlagen. Mit dem Einstieg in die Investitionsfinanzierung würde der Bund eine weitere Domäne der Länder schleifen. Als Gewinner dürfte sich auch die Pflege sehen – sie soll Mitsprache im G-BA erhalten, zudem will die Ampel das von Jens Spahn verschmähte Pflegepersonalbemessungsinstrument PPR 2.0 einführen. Zum umstrittenen Pflegebudget äußerten sich SPD, Grüne und FDP hingegen (noch) nicht. Dieses Instrument scheitert derzeit auf mehreren Ebenen, wie unser Berlin-Korrespondent Jens Mau berichtet (Seite 1082).

Folgenreiche Planungsfehler sollte man auch bei einem Krankenhausneubau vermeiden. Wer heute ein Klinikum neu errichtet, muss viele Variablen im Blick behalten. Das Krankenhaus der Zukunft muss nicht nur für Pandemien gerüstet sein, sondern auch mit dem immer schnelleren medizinischen und technologischen Fortschritt Schritt halten können. Maximale Flexibilität ist ebenso gefragt wie Klimaschutz und Prozessoptimierung. Welchen Prämissen die Bauherren und -frauen bei der MHH, Regiomed, den Alb-Fils-Kliniken, Sana und im Klinikum Oldenburg folgen, hat meine neue Kollegin Anika Pfeiffer recherchiert (Seite 1067).

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