Nachgefragt

"Wir sind keine Impfgegner"

  • Covid-19
  • Szene
  • 21.11.2022

f&w

Ausgabe 11/2022

Seite 970

Prof. Bernhard Schieffer

In der Post-Vax-Ambulanz der Uniklinik Marburg helfen Ärzte Patienten, die nach einer Impfung Long-Covid-Symptome zeigen, und forschen zu möglichen Folgen einer Covid-Impfung. Immer wieder werden ihre Aussagen von Impfgegnern instrumentalisiert. Die Klinik wehrt sich dagegen. Prof. Dr. Bernhard Schieffer über den schmalen Grad zwischen Forschung und Vereinnahmung.

Herr Schieffer, die Pilotstudie zu den Nebenwirkungen der Coronaimpfung ist nahezu abgeschlossen. Mit welchem Ergebnis?

Fatigue, Nervenschmerzen, Schwindelgefühle, Lähmungen oder Herz-Kreislauf-Probleme können als Impffolge auftreten. Die Symptome ähneln denen einer Long-Covid-Erkrankung, treten aber bei Menschen auf, die bisher kein Corona hatten. Wir sind noch sehr am Anfang, werden daher bald eine umfassende multizentrische Studie mit Patienten in ganz Europa beginnen. Bisher gibt es viele Hypothesen, eine betrifft das Spike-Protein. Das Antigen im Impfstoff greift in zentrale Regulationsmechanismen des Kreislaufs und Nervensystems ein und kann es in Richtung einer entzündungssteigernden Balance schieben. Solch ein Entzündungsprozess kann sich verselbstständigen. Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, Rheuma oder Diabetes können die Impfreaktion verschlimmern. Vorhandene immunologische Defizite können dabei eine Rolle spielen. Im April nutzte die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel die Arbeit Ihrer Ambulanz, um auf eine angebliche „dramatische Untererfassung von gravierenden

Gesundheitsschäden“ durch die Impfung hinzuweisen. Viele Medien aus dem rechten Spektrum berufen sich ebenfalls auf Ihre Ergebnisse. Wie ist das für Sie?

Wir bekommen unzählige E-Mails aus dieser Ecke, der Missbrauch unserer Arbeit ist groß. Anfangs haben wir versucht, mit seriöser Aufklärung dagegenzuhalten, das haben wir jedoch inzwischen aufgegeben. Ich versuche, meine Mitarbeiter so zu schützen, dass sie nicht an die vorderste Front geraten. Ich möchte nicht instrumentalisiert werden. Und ich möchte nicht, dass politisches Kapital aus dem Leid der Patienten und meiner Tätigkeit als Arzt geschlagen wird. Wir sind keine Impfgegner, sondern Wissenschaftler, die mögliche Nebenwirkungen eines Impfstoffes untersuchen. Für eine Impfung gegen Corona gibt es keine Alternative. Die Zahl der schweren Nebenwirkungen liegt bei etwa bei 0,02 Prozent bei circa 183 Millionen Impfungen in Deutschland. Der Nutzen einer Impfung mit dem Schutz vor schweren Verläufen überwiegt somit bei Weitem das Risiko.

Woran liegt das immer noch große Misstrauen bei diesem Thema?

Sicher auch an der anfänglich sehr schlechten Kommunikation. Die Impfung hat keine Nebenwirkungen, hieß es da. Auch das ist unseriös, jede Impfung hat Nebenwirkungen. Das muss man aussprechen und untersuchen dürfen. Und da sind wir gerade dran. Zusätzlich besteht eine gewisse Sensationslüsternheit, vor allem in den sozialen Medien.

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