Reformvorschlag

Karagiannidis: Große und kleine Kliniken sollen Leistungen tauschen

  • Politik
  • Titel
  • 19.12.2022

f&w

Ausgabe 1/2023

Seite 14

Im ausführlichen Gespräch mit f&w spricht Christian Karagiannidis über den Vorschlag der Regierungskommission. Vor allem die Einführung von Leistungsgruppen soll den Strutkurwandel anschieben. Kliniken sollen Leistungen abgeben oder tauschen können – dafür plant die Kommission ein komplexes System, das in enger Zusammenarbeit mit dem InEK entstehen soll. Karagiannidis äußert sich auch zum neuen Stufensystem und erläutert zum Beispiel, was für ihn der Unterschied zwischen einer Klinik im Level 1i und einer Kurzzeitpflegeeinrichtung ist. Für NRW sei die Reform eine „Riesenchance“, Europäisches Modellprojekt zu werden, so Karagiannidis.

Herr Karagiannidis, die Kommission kündigt drei Vorhaltestufen an, doch eigentlich sind es fünf. Wen wollten Sie damit beruhigen?

Es sind im Grunde nur drei Stufen, weil die Grundvoraussetzungen innerhalb einer Stufe gleich bleiben. Bei Unikliniken gibt es eine gesonderte Betrachtung aufgrund übergeordneter Aufgaben, aber die Leistungen werden so finanziert wie bei den übrigen Maximalversorgern. Auch die regionalen Grundversorger der ersten Stufe gehören zusammen, egal wie man sie strukturiert. Sie sollen die regionale Grundsicherung gewährleisten.

Das „Level 1i“ ist die Verbindung in den ambulanten Bereich. Was unterscheidet diese Krankenhäuser noch von Kurzzeitpflegeeinrichtungen?

Kurzzeitpflegeeinrichtungen dienen der Pflege von Patienten – es sind im Grunde Pflegestationen. Kliniken im Level 1i sind schon noch Kliniken. Sie garantieren eine ärztliche Betreuung, die intensiver ist. Es gibt eine ärztliche Rufbereitschaft und mehr Möglichkeiten für akute Behandlung. Nehmen wir als Beispiel einen älteren Patienten mit Lungenentzündung. Schickt man ihn mit einem Antibiotikum nach Hause, ist das Risiko zu groß. Im Level 1i kann er über Nacht bleiben und es ist jemand da. Natürlich wird es Überlappungen geben, das muss im Detail der Gesetzgeber klären.

Für dieses Level sind keine Vorhaltepauschalen vorgesehen. Ist das nicht eine sehr unsichere Finanzierung? Schließlich fallen viele kleine ländliche Kliniken in diese Kategorie ...

Diese Häuser fahren in unseren Augen mit den Tagespauschalen besser. 40 Prozent Vorhaltung bedeutet ja, dass die Häuser noch einiges an DRG-Leistungen erbringen müssten, um zu überleben. Das ginge dann nur über fest angestellte Ärzt:innen, aber nicht über den ambulanten Sektor. Die ärztliche Leistung in diesen Häusern sollen ja vor allem niedergelassene Ärzte erbringen, die über den EBM vergütet werden. Tagespauschalen haben auch den großen Vorteil, dass Grunderkrankungen eines Patienten keine große Rolle spielen. Ich halte Level 1i aus klinischer Sicht für sehr attraktiv.

Wie viele Kliniken fallen ihrer Berechnung zufolge ins Level 1?

Für die Antwort dieser Frage sind die Erfahrungen aus der Pandemiezeit hilfreich. 500 bis 600 Kliniken haben das Gros der Coronafälle behandelt, die anderen waren wenig beteiligt. Wenn man davon ausgeht, dass es unterm Strich 1.700 Klinikstandorte mit einer substanziellen Anzahl von Betten und Leistungen gibt, dann fällt davon ungefähr die Hälfte ins Level 1.

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