Klinikreform

Hankeln: Sprengstoff für Fachkliniken

  • f&w
  • Titel
  • 22.12.2022

f&w

Ausgabe 1/2023

Seite 27

Kai Hankeln

Gesundheitsminister Karl Lauterbach hat die Pläne für seine große Krankenhausreform präsentiert. Nun braucht er neue Verbündete, um das DRG-System und die Krankenhausplanung umzukrempeln. Das Fachmagazin f&w hat für die Januar-Ausgabe die wichtigsten Stakeholder befragt, wie sie die Vorschläge der Reformkommission bewerten. 

Kai Hankeln, CEO von Asklepios, warnt: Nicht wenige Fachkliniken drohen mit dieser Reform von der Landkarte zu verschwinden.

  


"Die Reform zielt an den Kernproblemen der Krankenhäuser vollkommen vorbei. Weder ist die Frage der chronischen Unterfinanzierung gelöst, noch die Frage, wie die bereits bestehende Investitionslücke geschlossen werden soll. Und auch der drückende Fachkräftemangel wird nicht angegangen. Insbesondere die Level-1i- und Level-1n-Kliniken dürfen kaum noch etwas behandeln und sind so nicht mehr überlebensfähig. Der Einheitliche Bewertungsmaßstab (EBM) als finanzielle Grundlage der Ambulantisierung reicht als Erlös nicht aus. Gleichzeitig werden aber zumindest die Level-1i-Häuser ohne strukturierte Sicherstellung der Flächenversorgung von der Landkarte aus finanziellen Gründen verschwinden. Die Vorhaltekostenfinanzierung in Höhe von 20 Prozent der DRG wird kein Krankenhaus am Netz halten können. Die Folge wird die Flucht in die Menge oder in höhere Versorgungslevel sein.

Dem Ziel, die medizinische Qualität durch Leistungsgruppen zu steuern, stehen eine Vielzahl operativer Probleme gegenüber. Denn damit verbunden ist auch, dass Fachkliniken „baulich und inhaltlich in Kliniken der Stufe II und III integriert werden“ sollen. Da steckt eine Menge Sprengstoff drin. Zum einen würde das eine erhebliche Summe an zusätzlichen Investitionsmitteln erfordern. Zum anderen befinden sich die Fachkliniken und die Stufe-2- und Stufe-3-Kliniken in aller Regel in unterschiedlichen Trägerschaften. Wie das zusammenfinden soll, dürfte schon einem kleinen Weihnachtswunder nahekommen, selbst wenn die Länder sich die Versorgungsplanung in solchem Maßstab aus der Hand nehmen lassen sollten. Nicht wenige Fachkliniken dürften so von der Landkarte verschwinden, weil sie nicht mehr richtig refinanziert sind, ohne dass diese Leistungen im nahe gelegenen Stufe-2- oder -3-Haus fortgeführt werden. Die Folge wird die Rationierung von Leistungen in der Fläche sein, wie man sie aus manchen Systemen staatlich organisierter Gesundheitsversorgung kennt. Gleichzeitig wird eine weitere Stufe der Kontrollbürokratie gezündet werden, denn die Kliniken werden für alle Leistungsgruppen zu jedem Zeitpunkt nachweisen müssen, dass sie ihre Vorhaltekosten nicht zu Unrecht vergütet bekommen. Der Druck, Personal zur Erfüllung der Vorhaltebedingungen bereitzuhalten, dürfte zusammen mit der Tendenz zu Entlastungstarifverträgen den Fachkräftemangel noch weiter verschärfen."

  

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