Mit Vitrea geht ein neuer großer Player auf dem Reha-Markt an den Start. Mehrheitseigentümer ist der Private Equity Investor PAI. Dr. York Dhein verantwortet als CEO die Vitrea Kliniken in Deutschland und ist COO der Vitrea Gruppe. Wir sprachen mit ihm über strategische Ziele, starre Vergütungsstrukturen und Campusmodelle.
Herr Dhein, im November 2025 tauchte auf dem Reha-Markt plötzlich ein neuer Name auf: Vitrea. Entstanden aus dem Zusammenschluss der Vamed- und Paracelsus-Reha-Einrichtungen. Also nicht ganz neu, aber nun einer der größten Reha-Anbieter in der DACH-Region. Was ändert sich damit für die Unternehmensführung und Ihre Kliniken?
Eine ganze Menge. Wir haben nicht einfach ein neues Logo draufgeklebt, sondern tatsächlich ein komplett neues Unternehmen gegründet. Zuvor waren wir Teil der Fresenius-Gruppe und sind im Oktober 2024 selbstständig geworden. Dieses Herauslösen nennt man Carve-out. Wir haben uns darauf konzentriert, ein Unternehmen völlig neu zu bauen. Das heißt: neue IT-Strukturen, neue Klinikinformationssysteme, neue HR IT, neues ERP-System – wirklich alles.
Ich habe letztes Jahr immer gesagt: Eigentlich sind wir ein Start-up mit Milliardenumsatz. Also ein neues Unternehmen und eine neue Marke gleichzeitig, kein Rebranding. Zusätzlich zur IT bauen wir die gesamte Organisation um. Früher hatten wir drei Länderorganisationen – Deutschland, Schweiz, Österreich –, zwischen den Ländern gab es kaum Kontakte. So kann man auf Dauer kein Unternehmen führen.
Deshalb ziehen wir jetzt die Zentralabteilungen länderübergreifend zusammen: Es gibt eine Finanzabteilung, einen Einkauf sowie einheitliche Strukturen. Gleichzeitig glauben wir, dass unternehmerischer Erfolg vor Ort entsteht. Darum bündeln wir die Standorte in Regionen und geben ihnen echte unternehmerische Freiheiten. Innovationen kommen ja nicht aus der Zentrale in Wien oder Damp, sondern aus den Kliniken selbst. Das ist unser Grundkonzept: zentral schlank, regional stark. Unser Claim lautet übrigens: „Stärker als gestern.“
Das heißt konkret?
Es ist der Kern dessen, was Reha ausmacht: Menschen stärker zu machen als am Tag zuvor. Man kann es auf unsere Patientinnen und Patienten beziehen, aber genauso auf unser Unternehmen. Der Claim kommt von unseren Mitarbeitenden. Wir haben einen großen Marken-Research gemacht und dabei nicht nur die Managementebene befragt, sondern vor allem die Menschen, die täglich vor Ort Reha leisten. Hier waren die Antworten sehr klar: Wir sind hier, weil wir empathisch mit Menschen und im Team arbeiten wollen, weil uns Qualität und Innovation wichtig sind. Diese vier Werte sind daher unser Markenkern.
Und wie sorgen Sie als neue Marke für Sichtbarkeit in Deutschland – sowohl bei Patienten als auch bei künftigen Fachkräften?
Wir haben ein neues Social Intranet eingeführt, namens Vitrea Connect, das besonders Mitarbeitende ohne eigenen PC erreicht. Damit versuchen wir, die Marke noch besser im Unternehmen zu verankern. Nach außen bauen wir digitale Sichtbarkeit auf: über neue Websites, SEO- Kampagnen, ein geplantes Kundendialogzentrum. Wenn jemand für einen Angehörigen eine Reha sucht, geht er heute zuerst ins Internet. Dort müssen wir präsent sein und wir müssen Anfragen systematisch bearbeiten können, von Chatbot bis Rückruf.
Insgesamt möchten wir im B2C-Bereich genauso gut werden wie im B2B-Bereich.
Sie sagten, vieles wird zentral geregelt, aber die unternehmerischen Freiheiten liegen bei den Kliniken vor Ort. Wie weit reichen diese?
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Vitrea
Das Unternehmen mit Hauptsitz in Wien und deutscher Zentrale in Damp ist aus der
Zusammenführung der Reha-Einrichtungen
von Vamed und den Paracelsus Rehabilitationskliniken entstanden. Mit mehr als 70 stationären und ambulanten Einrichtungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zählt Vitrea zu den größten Gesundheitsanbietern Europas. Mehrheitseigentümer ist der europäische
Private-Equity-Investor PAI Partners, der im
Oktober 2024 die internationale Reha-Sparte der früheren Vamed-Gruppe mehrheitlich
von Fresenius erworben und 2025 die neun
Reha-Einrichtungen der deutschen Paracelsus-Kliniken integriert hat.
