Positionspapier

DBfK fordert Reform der Krankenhausfinanzierung

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DBfK fordert Reform der Krankenhausfinanzierung
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Mit einem Positionspapier fordert der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) Reformen der Krankenhausfinanzierung, die notwendig sind, um in Zukunft die pflegerische Versorgung sicherzustellen. Neben einer vollumfänglichen Finanzierung der Investitionskosten fordert der Verband auch eine Aufhebung der Sektorengrenzen. „Die pflegerische Versorgung in den Krankenhäusern ist prekär und das nicht erst seit der Pandemie. Ein Grund dafür liegt in den Fehlsteuerungen der Krankenhausfinanzierung“, so die Präsidentin des DBfK, Christel Bienstein. „Aber eine dringend erforderliche Reform der Versorgungsstrukturen wird seit langem nur halbherzig angegangen oder verschoben. Dass wirtschaftlicher Druck und Wettbewerb die Probleme nicht lösen, ist doch mittlerweile allen klar."

Das Positionspapier mit zwölf Forderungen wurde von der Expertengruppe Krankenhausfinanzierung erarbeitet. Seit Jahren werde die dringend erforderliche Reform der Versorgungsstrukturen der deutschen Krankenhäuser auf Bundes- und Landesebene nur halbherzig versucht oder verschoben, so die Kritik. Durch die Einführung des DRG-Systems im Jahr 2003 sei der Personalabbau noch einmal verstärkt worden. Verschiedene Formen von Deckelungen der Gesamtausgaben führten zur Umverteilung der Budgets im Krankenhaus zu Ungunsten des Pflegepersonals, heißt es in dem Papier.

So ist in den allgemeinen Krankenhäusern der Anteil an den Personalkosten im Pflegedienst von 38,56 Prozent im Jahr 2000 auf 28,83 Prozent im Jahr 2018 gesunken, während der Anteil an Personalkosten im ärztlichen Dienst von 22,32 (2000) auf 32,97 Prozent (2018) gestiegen ist. Die Situation verschärfe sich zunehmend, und selbst der leichte Stellenaufbau der letzten Jahre könne die gestiegene Arbeitsbelastung durch erhöhte Fallzahlen und Fallschwere nicht kompensieren, so der Verband. Eine Reform der Krankenhausfinanzierung würde für die Patienten mehr Behandlungsqualität und Sicherheit bedeuten und für Pflegekräfte die Chance auf Anerkennung ihrer fachlichen Leistungen und auf eine deutliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen.

Der Verband fordert daher eine Reduzierung der Arbeitsbelastung sowie die eigene Gesunderhaltung und Zufriedenheit mit der durchgeführten Arbeit zu ermöglichen. Dazu sei eine quantitativ und qualitativ angemessene Personaldecke notwendig. Eine Personalbedarfsermittlung, die auf Pflegediagnosen oder Nurse Related Groups (NRG) basiert, lehnt der DBfK ab. Wenn nur die auf Grund fehlender Pflegefachpersonen erbrachten Leistungen in einer Personalbedarfsermittlung betrachtet würden, werde der Status der Mangelversorgung "zementiert". Durch eine Finanzierung der Pflegekosten auf dieser Basis werde die pflegerische Versorgung in eine Spirale von Fehlanreizen wie Mengenausweitung und Konzentration auf lukrative Fälle geraten.

Die Pflegepersonalkosten müssten auf Basis einer pflegewissenschaftlich fundierten Personalbedarfsermittlung, die sich am individuellen pflegebedarf orientiert, zu 100 Prozent finanziert werden. Die Personalbedarfsermittlung müsse einen geeigneten "Skill-Grade-Mix" berücksichtigen sowie Mindestpersonalvorgaben setzen. Als Interimsmaßnahme müsse sofort die PPR 2.0 eingeführt werden. 

Investieren und planen

Seit Jahren kommen die Bundesländer ihrer Pflicht der Investitionskostenfinanzierung höchstens zur Hälfte nach. Insgesamt fehlen über drei Milliarden Euro. Der Verband fordert, dass es in Zukunft verpflichtende Finanzierungsquoten geben müsse, unabhängig davon, ob die Investitionskosten vom Bund oder von den Ländern bereitgestellt werden. 

Die Sektorengrenzen sollten aufgehoben und innovative Versorgungskonzepte, die ambulante und stationäre Leistungen miteinander verzahnen, ermöglicht werden. Eine Ausweitung der ambulanten Leistungen zum Zweck der Bettenreduzierung könne nur dann sinnvoll erfolgen, wenn gleichzeitig ein Gesamtkonzept für Versorgungsprozesse entwickelt werde. 

Ein weiterer Punkt in dem Thesenpapier ist die Krankenhausplanung. Eine Planung nach Leistungsgruppen könne eine gute Grundlage für die länderspezifische Krankenhausplanung bieten. Komplexe Krankheitsbilder dürften nur dort behandelt werden, wo auch die entsprechenden Strukturen und Qualität gegeben sind. In die Planungen müssten zwingend Anforderungen an die Menge und Qualifikationen des Pflegepersonals einfließen. Nicht benötigte Mehrfachstrukturen müssten vermieden werden und rämlich nahe Versorgungsmöglichkeiten sichergestellt werden. Für eine Strukturierung der Krankenhauslandschaft mittels konsequenter Qualitätsvorgaben spricht sich auch Dr. Wulf-Dietrich Leber, Leiter der Abteilung Krankenhäuser des GKV-Spitzenverbands in seinem Beitrag in der aktuellen f&w aus: "Es gibt überhaupt keine sinnvollere Strukturierung als jene durch Qualitätsvorgaben", so Leber. In einem Thesenpapier fordern die AOK sowie die Krankenhausträger Diakoneo, die Bezirkskliniken Mittelfranken und Helios ebenfalls, dass stationäre Leistungen durch weiter auszuweitende Mindestmengen und Qualitätsvorgaben weiter zentralisiert werden sollten. 

Autor

 Luisa-Maria Hollmig

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