BÄK legt Zehn-Punkte-Plan für Krisenmanagement vor

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BÄK legt Zehn-Punkte-Plan für Krisenmanagement vor
© ©Werner Krueper Fotografie

Die Bundesärztekammer hat Lehren aus der Pandemie gezogen und einen Zehn-Punkte-Plan für effektives Krisenmanagement vorgelegt. Dieser sei demnach ein Erfahrungsbericht sowie ein Ratgeber von ärztlichen Praktikern für die Politik, um für ein Wiederaufflammen des Infektionsgeschehens und zukünftige Pandemien gewappnet zu sein. 

Deutschland habe in der Krisenzeit vieles richtig gemacht - so konnte ein Kollaps des Gesundheitswesens nur durch die beispiellose Einsatzbereitschaft des Personals aus dem Gesundheitswesen verhindert werden. Auch die flächendeckende Krankenhausversorgung sowie die ambulante haus- und fachärztliche Versorgung habe sich als großer Vorteil erwiesen. Dennoch hätten die letzten Monate viele Schwachstellen in der Organisation des Gesundheitswesens offengelegt, so Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt. Die Schwachstellen liegen ihm zufolge zum Beispiel in der Ausstattung der Gesundheitsämter, da viele Ämter vereinzelt noch mit Fax arbeiten. Ebenso gehören die Finanzierung der Kliniken oder der Mangel an Schutzausrüstung in der Hochphase der Pandemie zu den Schwachstellen. 

Folgende Punkte hebt die Bundesärztekammer in dem Zehn-Punkte-Plan hervor:

  1. Krisenmanagement von Bund und Ländern weiter optimieren
    Für den Fall von Epidemien und Pandemien fordert die BÄK im Infektionsschutzgesetz feste Krisenstäbe mit klar definierten Aufgaben und Handlungsmöglichkeiten unter Einbindung der BÄK sowie den Landesärztekammern. Erforderlich sei zudem die Vorhaltung eines interdisziplinären Expertentools. Grund für die Forderung: Die Bundesregierung und die Landesregierungen hatten in der Hochphase der ersten Infektionswelle Task-Forces und Krisenstäbe eingesetzt, bei denen die Kommunikation nach außen über die Arbeit sowie deren Zusammensetzung an vielen Stellen unzureichend gewesen sei, heißt es in dem Plan der Bundesärztekammer. 
  2. Sicherheit des medizinischen Personals gewährleisten
    In Deutschland sollen ausreichende Produktionskapazitäten geschaffen werden, die eine Versorgung und einen Vorrat mit Schutzausrüstung ermöglichen. Die Pandemie habe gezeigt, dass Lieferwege plötzlich nicht mehr verlässlich sein können. Neben den Produktionsstrukturen sieht die BÄK auch die Bevorratung notwendiger Rohstoffer und wichtiger Arzneimittel vor. Grundsätzliches Ziel soll die Rückverlagerung bzw. der Wiederaufbau der Produktion von Arzneimitteln und Medizinprodukten innerhalb der EU sein, so die BÄK. 
  3. Versorgungskapazitäten für Krisenfälle vorhalten und finanzieren
    Der Plan sieht vor, dass Personalressourcen und Reservekapazitäten, gerade im Bereich der Notfall- und Intensivmedizin, im Rahmen einer bedarfsgerechten Krankenhausplanung definiert, umgesetzt und finanziert werden. Die Vergütungssystematik dürfe nicht ausschließlich auf wirtschaftliche Effizienz des Krankenhausbetriebes ausgerichtet sein, sondern an dem Versorgungsbedarf und den angemessenen Vorhaltekosten für Infrastruktur, Personal und Technik. Die BÄK betont, dass die bestehende Versorgungsstruktur in Deutschland, auch im Bereich der Intensivbetten, dazu beigetragen habe, dass die Sterberate vergleichsweise gering geblieben ist. 
  4. Europäische Zusammenarbeit stärken
    Erforderlich sei der Aufbau eines EU-Krisenreaktionsmechanismus für grenzüberschreitende Gesundheitsnotfälle. Konkret sollte die EU einen Aktionsplan für grenzüberschreitende Gesundheitsnotfälle erarbeiten und eine zentrale Koordinierungsstelle hierfür benennen.
  5. Öffentlichen Gesundheitsdienst stärken/Meldewege unterstützen
    Da die Zahl des ärztlichen Personals in den Gesundheitsämtern stetig sinkt, fordert die BÄK eine tarficlih gesicherte, arztspezifische Vergütung. Bereits im Juli hat die BÄK ein Positionspapier zu einer Personaloffensive für den ÖGD veröffentlicht.
  6. Testmaßnahmen gezielt ausweiten
    Die BÄK fordert für medizinische Einrichtungen und Arztpraxen eine einheitliche und verbindliche Teststrategie. Es müsse eine ausreichende Verfügbarkeit von Testreagenzien, erforderlichen Rofstoffen und flexibel steigerbaren Laborkapazitäten gegeben sein. 
  7. Kapazitätserfassung und Kapazitätssteuerung optimieren
    Die Steuerung der jeweils notwendigen Ressourcen muss neben Betten und Beatmungsgeräten auch das tatsächlich vorhandene qualifizierte Personal umfassen. Die gezielte Kapazitätssteuerung erfolge sinnvollerweise auf allen Ebenen in regionalen Verbünden.
  8. Impfstoffentwicklung durch internationale Abkommen beschleunigen
    Die Produktionskapazitäten für Impfstoffe sollten schnell erweitert werden. Auch die Planungen zur Impflogistik sollten überprüft werden, damit die Versorgung mit Impfstoffen und den notwendigen Materialien stets gewährleistet ist. Die BÄK schlägt dazu Abkommen über gemeinsame Forschung, Herstellung sowie Verteilung von Medikamenten und Impfstoffen auf internationaler Ebene vor. 
  9. Nachwuchs fördern und Fachkräfte sichern
    Gut ausgebildetes Personal sei der Schlüssel zur Krisenbewältigung, so die BÄK. Deshalb sei das Vorhalten notwendiger Personalkapazitäten, der Personalentwicklung und -schulung unverzichtbarer Bestandteil der Daseins- und Krisenvorsorge.
  10. Krise als Treiber für Digitalisierung nutzen
    Flächendeckend müsse es schnellstmöglich stabile Internet- und Telekommunikationsmöglichkeiten geben. Auch der Ausbau zertifizierter Videokonferenzmöglichkeiten, ein besserer Zugang zu Wissensdatenbanken und aktuellen Forschungsergebnissen für ärztliches Personal sowie der Ausbau von Telekonsilen sind im Plan vorgesehen.

Autor

 Luisa-Maria Hollmig

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