Patientensicherheit

Neuer Parameter für Mindestmengen

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Neuer Parameter für Mindestmengen
Male veterinarian picking up surgical tool from tray. Surgeon is preparing for surgery in operating room. He is in animal hospital. © GettyImages/Morsa Images

Mediziner der Unikliniken in Heidelberg und Würzburg haben einen Marker für die Behandlungsqualität vorgestellt, der relevante individuelle Patientenrisikofaktoren sowie die Qualität des einzelnen Krankenhauses berücksichtigt. Diese "Risiko-standardisierte Krankenhaussterblichkeit" (Risk Standardized Mortality Rate, RSMR) könnte die bestehenden Mindestmengen ergänzen. „Die Festlegung der Mindestmengen und deren Bedeutung als alleiniger Qualitätsparameter für komplexe Eingriffe wurde immer wieder diskutiert und hat sich international nur teilweise durchgesetzt. Der von uns untersuchte neue Parameter berücksichtigt nun nicht nur reine Fallzahlen, sondern die konkrete Behandlungsqualität des Krankenhauses nach Krebsoperationen“, sagt Philip Baum, Erstautor der Studie und Arzt in der Thoraxchirurgie, Thoraxklinik am Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD). 

Die vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) festgelegten Mindestmengen gelten für komplexe operative Eingriffe, die nur in Kliniken durchgeführt werden dürfen, die diese Mindestmengen jährlich erreichen. Die Anzahl der jährlich in einem Krankenhaus durchgeführten Operationen werden damit als Qualitätsmesser der Behandlung genutzt, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung. Dies bedeute aber auch, dass Unterschiede in der Behandlungsqualität zwischen Krankenhäusern mit ähnlicher Fallzahl nicht abgebildet werden und keine Adjustierung an relevante Risikofaktoren der behandelten Patienten erfolge. Un die chirurgische Qualität genauer zu messen, haben Mediziner der Thoraxklinik am UKHD und des Viszeralonkologischen Zentrums am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) die RSMR vorgestellt. Diese basiert darauf, wie viele Patienten in Folge bestimmter Operationen in einem Krankenhaus versterben und bezieht dafür das Risikoprofil der Behandelten, etwa wichtige Begleiterkrankungen, in die Berechnung ein. Für die Analysen nutzten Mediziner bundesweite Krankenhausabrechnungsdaten, die über das Fallpauschalensystem erhoben wurden. Gespeichert sind hier Daten zur Erkrankung, Haupt- und Nebendiagnosen, operative Maßnahmen und Entlassungsdaten. Dabei wurden die Daten von knapp einer halben Million Patienten in Deutschland ausgewertet, die zwischen Januar 2010 und Dezember 2018 im Rahmen einer Krebserkrankung operiert wurden. Anschließend verglichen sie die Ergebnisse mit dem Volumen-basierten Bewertungsmodell.  

Die Ergebnisse zeigten, dass die Qualität der Operationen vielschichtig ist und nicht nur von der Patientenmenge abhängt, heißt es in der Mitteilung weiter. Zwar beeinflusse diese Erfahrungen und Routine des Personals, für den Erfolg der Operationen würden auch andere Faktoren wie die Aus- und Weiterbildung, die tatsächliche Verfügbarkeit eines multidisziplinären Teams und ein gutes Komplikationsmanagement eine wesentliche Rolle spielen, sagt Armin Wiegering, stellvertretender Direktor und leitender Oberarzt der Chirurgischen Klinik I des UKW. „Die international besetzte Arbeitsgruppe zeigte, dass deutschlandweit nahezu kein Krankenhaus mit sehr niedriger Fallzahl ein sehr gutes Behandlungsergebnis erzielt, jedoch auch mindestens die Hälfte aller Kliniken mit sehr hohen Patientenfallzahlen nicht zwingend die bestmögliche Behandlungsqualität erreichen“, berichtet Professor Dr. Hauke Winter, Chefarzt der Thoraxklinik Heidelberg am Universitätsklinikum Heidelberg und Leiter der Abteilung für Thoraxchirurgie. 

Die bei der Studie erhobenen Daten machen etwa fünf Prozent aller Operationen in Deutschland aus. In weiteren Studien möchte das Team an der Verbesserung der Patientensicherheit und chirurgischen Qualität arbeiten. 

 

    Autor

     Luisa-Maria Hollmig

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