Orientierungswert von Bernadette Rümmelin

Klare Strategie und dauerhafte Förderung für Digitalisierung

  • Bundestagswahl 2021
Klare Strategie und dauerhafte Förderung für Digitalisierung
© KKVD

„Vergeudung“, so lautete der Titel eines Kommentars einer großen deutschen Tageszeitung vor einigen Tagen. Der Text bezog sich auf eine Befragung zum Stand der Digitalisierung in Kliniken. Der Gesundheitsdienstleister, der diese Befragung durchführte, kommt zum Ergebnis, dass die Kliniken 30 Prozent ihrer Kosten durch konsequente Digitalisierung beispielsweise beim Tracking von Betten, beim Transport oder bei der Essensplanung einsparen könnten. Die Investitionen dafür werden mit fünf Prozent der Einsparungen veranschlagt. Also fragt der Kommentator zum Schluss: „Worauf warten die Betreiber noch?“

Die Antwort darauf ist: Viele Klinikbetreiber warten nicht, sondern sie haben sich bereits auf den Weg gemacht. Schon heute gehören in den Einrichtungen digitale Anwendungen von der vernetzten Dokumentation bis zum Betten-Tracking zum Arbeitsalltag. Doch solche Investitionen zu tätigen, ist kein leichtes Unterfangen. Die finanziellen Spielräume der Krankenhäuser sind eng. Um den Digitalisierungsgrad der deutschen Kliniken flächendeckend auf ein zukunftsfähiges Niveau zu heben, sind daher weitere politische Initiativen notwendig. Das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) war erst der Anfang. Entscheidend für den Erfolg der Digitalisierung ist Nachhaltigkeit. 

Ein wichtiger Grund für die engen finanziellen Spielräume sind die fehlenden Investitionsmittel der Länder. Benötigt werden jedes Jahr mehr als sechs Milliarden Euro, doch die Länder zahlen nur knapp die Hälfte davon aus. So ist ein großer Investitionsstau entstanden.  

Die 4,3 Milliarden Euro aus dem Topf des KHZG reichen nicht aus, um die Digitalisierung in den Kliniken umfassend auszubauen. Auch die Betriebs- und Folgekosten müssen gewährleistet werden. Dafür notwendig wäre ein dauerhaftes Förderinstrument, beispielsweise ein Digitalisierungszuschlag von zwei Prozent auf jede Krankenhausrechnung. Dies muss spätestens bei der anstehenden Reform der Krankenhausfinanzierung unbedingt geregelt werden. 

Klimawandel ist bei uns angekommen

Ebenfalls aufgegriffen werden muss das Thema Klimaschutz und Krankenhaus. Die Hochwasserkatastrophe im Juli hat eindringlich vor Augen geführt, dass der Klimawandel längst bei uns angekommen ist. Auch die steigende Zahl von Todesfällen durch die Sommerhitze unterstreicht den Handlungsbedarf. Gesundheitsminister Spahn hat zur besseren Klimatisierung von Zimmern in Krankenhäusern und Pflegeheimen unlängst ein „Klimabudget“ für den Haushaltsplan seines Ministeriums gefordert. Offensichtlich wurde verstanden, dass die Einrichtungen diese Investitionen nicht ohne ausreichend Investitions- und Fördermittel stemmen können. Das gleiche gilt aber auch für die anderen notwendigen Klimaschutzmaßnahmen in Gesundheitseinrichtungen. 

Laut Schätzungen hat der Gesundheitssektor einen Anteil mehr als fünf Prozent am CO2-Ausstoß in Deutschland. Hier besteht also ein großes Potenzial, den Klimaschutz voranzubringen. Manche Einrichtungen, darunter auch zahlreiche katholische Häuser, haben bereits schrittweise Klimaschutzmaßnahmen eingeführt. Doch auch hier kann der große Wurf nur mit einer klaren Strategie und einer dauerhaften Finanzierung gelingen.

Autor

 Bernadette Rümmelin

Abonnieren Sie unseren Newsletter

Mit unserem täglichen Newsletter informieren wir bereits rund 10.000 Empfänger über alle wichtigen Meldungen aus den Krankenhäusern und der Gesundheitsbranche

Kontakt zum Kundenservice

Rufen Sie an: 0 56 61 / 73 44-0
Mo - Fr 08:00 bis 17:00 Uhr

Senden Sie uns eine E-Mail:
info@bibliomedmanager.de

Häufige Fragen und Antworten finden Sie im Hilfe-Bereich